Bibellese: „Dafür ist Jesus doch gestorben“

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Als sie gefrühstückt hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: „Simon, Johannes-Sohn, liebst du mich mehr als die anderen hier?“ – „Gewiss, Herr“, antwortete Petrus, „du weißt, dass ich dich lieb habe.“ – „Dann weide meine Lämmer!“, sagte Jesus. Johannes 7,47

Eine Sache, die ich am meisten an unserem Gott und vor allem an der österlichen Heilsgeschichte liebe, ist, dass Jesus einerseits die ganze Welt im Blick hat und alle Menschen retten möchte, und andererseits in den wunderbaren „Seitensträngen“ der großen Geschichte Gottes mit den Menschen immer auch den Einzelnen sieht und seine ganz persönliche Heilsgeschichte mit ihm schreibt.

Diese Begegnung mit Petrus ist für mich persönlich das bewegendste Beispiel dafür. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schmerzlich es sich anfühlt, wenn man Jesus schon einmal in einem entscheidenden Moment die Treue gebrochen hat.
Wie groß waren die Selbstvorwürfe und die Scham danach – und wie riesig die Freude und Erleichterung, als ich irgendwann endlich realisierte: Was für Petrus galt, das gilt auch für mich! Mein Versagen disqualifiziert mich nicht für meinen Dienst für Gott – im Gegenteil: Es schafft mir ein demütiges Herz, das nicht mehr so schnell vorlaut behauptet: „Jesus, ich würde dich NIE verraten!“ Oder: „Ich würde ALLES für dich tun“, sondern zutiefst verstanden hat, dass es die Retterliebe Jesu und seine Tat am Kreuz genauso dringend braucht wie alle anderen. Und dann, ja dann werde ich meinen Retter tatsächlich mehr lieben – nicht zwingend mehr als die anderen, denn ich ahne, darum geht es Jesus auch gar nicht -, aber mehr als je zuvor. Denn: „Wem viel vergeben wurde, der liebt viel“ (Lukas 7,47).

Und genau diese Liebe ist alles, was es braucht, damit Jesus uns große Dinge anvertraut – egal, wie oft wir früher versagt haben. Für mich ist dieser „Seitenstrang“ der Heilsgeschichte deshalb die ganz persönliche Botschaft von Ostern, denn er zeigt uns ganz konkret, was es heißt, wenn unsere Beziehung zu Gott „wiederaufersteht“, wenn unser Wert und unsere Würde durch Vergebung der Schuld wiederhergestellt werden, und wenn Gottes unüberwindbare Liebe in einem Menschenleben das letzte Wort spricht! Genau das ist Ostern. Für jeden von uns.

Desiree Wiktorski

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